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Ein altes Foto mit Häusern der Pestalozzistraße von ca. 1900 war der Auslöser zu dieser Seite. Aber wo in Elbing war diese Pestalozzistraße? Nach der Zerstörung unserer schönen alten Heimatstadt 1945, wurde in den folgenden Jahren mit dem Wiederaufbau mancher Straßenzug verändert. Es erreichen mich immer wieder Fragen von Ansichtskartensammlern, die manche alte Elbinger Ansicht nicht einordnen können, eventuell ist diese Seite auch für diese Sammler interessant.


Der Friedrich-Wilhelm-Platz wurde im Norden durch die Bürger- Ressource abgeschlossen, links von diesem Gebäude begann die Pestalozzistraße und spaltete sich vor der Neufeldschen Blechfabrik, geradeaus endete diese Straße an der Sonnen- und Hansa- Straße. Die linke Abzweigung an der Poststraße, gegenüber der Kaiserin Auguste- Viktoria-Schule. Vor der Beseitigung der Wallanlagen endete die rechte, gerade Straße nach der Pestalozzischule als Sackgasse.  Die Hausnummern begannen auf der rechten Seite mit 1 und endeten auf dieser Straßenseite bei der Schule mit Nr.5, auf der anderen Seite zählten die Straßennummern zurück 7 bis 8, dann um die Ecke rum in Richtung Poststraße 9 und 10, und dann von der Ecke mit der Nummer 11 bis 13 am Friedrich- Wilhelm- Platz. Die Nummer 13 gab es später nicht mehr, dieses Haus musste 1915 der neuen Bürger- Ressource Platz machen. Ich habe einen alten Stadtplan von 1854 über den neuen polnischen Plan gezeichnet, damit man die Straßenverschiebungen erkennen kann. Beide Pläne habe ich auf die gleiche Größe gebracht aber auch selbst ganz markante Punkte stimmen nicht überein.Im Laufe der Zeit hat diese Straße ihren Namen 3-mal geändert. 1445 wird diese Straße das erste Mal als Hundegasse genannt, für diese Namen gibt es zwei verschiedene Angaben; a, durch diese Gasse wurden früher die städtischen Wachhunde zu den Wallanlagen geführt; b, nördlich von dieser Gassen floss die Hundbeeke vorbei, siehe Stadtplan von1785.
Nach 1790 wurde aus der Hundegasse die Logenstraße, benannt nach der Hausnummer 4 (No.945 III 86, alte Stadt- Nummer, die 946 ist die alte laufende Hausnummer aller Stadthäuser. Die III ist der Polizei-Distrikt und die 86 ist die laufende Hausnummer im 3. Polizei-Distrikt), hier war die Loge „Sankt Johannisloge Constantia zur gekrönten Eintracht im Orient zu Elbing“ ansässig, gestiftet am 28. Oktober 1773 von den Kaufleuten Johann Ross und Jacob Wilhelm Prätorius, seit 3. September 1781 selbständige Tochterloge „Constantia“. Das Haus der Loge wurde am 25. Juli 1790 in Betrieb genommen, Eigentümer war aber noch Bruder Johann David Szafranski. Zu diesem Haus gehörte ein ca. ein Morgen großer Garten in dem zuvor eine Gastwirtschaft war. Nach Szafranskis Tod ging das Grundstück 1804 für 5000 Taler in den Besitz der Loge über.
Um 1806 wurde das Haus Logenstraße Nr.5, das bisher ein Krankenhaus war, zur Pestalozzischule umgebaut. Im dritten Reich wurde die Loge verboten und aufgelöst und damit war auch der Name "Logenstraße" nicht mehr erwünscht, die Straße wurde erneut in "Pestalozzistraße" umbenannt. Die alte Pestalozzistraße zwischen Truso- und Pott Cowle Straße wurde in die Walter Flex Straße umbenannt, nach dem 1917 auf Ösel gefallenen Kriegsdichter. Die Pestalozzistraße und die Nitschmannstraße sind in Elbing die beiden einzigen Straßen, die auch jetzt in der polnischen Zeit ihren Namen behalten haben.

Zwischen 1914 und 1916 wurde das neue Gebäude der Bürger- Ressource nach rechts erweitert, dadurch musste das Eckhaus Logenstr. 13 weichen. Letztmalig ist die Nr. 13 auf einer Ansichtskarte von 1914 abgebildet, auf einer Feldpostkarte, die 1916 abgestempelt wurde, ist die neue Bürger- Ressource bereits voll zu sehen. Im Elbinger Reisebuch von Carl Pudor von 1910 wird bereits über die Absicht gesprochen, ein neues Gebäude mit großem Saal für die Bürger- Ressource zu bauen. Die rechte Ansichtskarte vom Garten der Bürger- Ressource wurde von West nach Ost aufgenommen, in der Bildmitte hinten erkennt man die Rückfronten der Häuser Logenstraße 11, 11, 11a, 12 und 13, an der rechten Bildkante ist der Garteneingang der alten Bürger- Ressource zu erkennen. Diese Karte wurde am 10. 08. 1902 abgestempelt.

Auf dem linken Foto sind die die Häuser (von vorne nach hinten) Nr. 12, 11a, 11 und 11, und dahinter das Fabrikgebäude der Neufeldschen Blechfabrik zu sehen. Die Hausnummer 11 gab es zweimal auf dem gleichen Grundstück. Diese Ansicht wurde vom Friedrich- Wilhelm- Platz aus aufgenommen, von Süd nach Nord.

Das untere Bild wurde von der Entgegengesetzten Seite fotografiert, aus der Sonnenstraße raus. Vorne rechts die Neufeldsche Blechfabrik, ab dem Knick rechts das 1. Haus Nr. 11, in dem eine Pension war (roter Pfeil), während im Haus dahinter auch mit Nr. 11 die Eigentümerin Anna Wirth um 1909 selbst wohnte. Am Ende der Neufeldschen Blechfabrik sieht man über dem Giebel der Pension ganz schwach den Rathausturm. Auf der linken Seite ist zwischen den Bäumen die Pestalozzischule zu sehen.



Im Winter 2004. Der Fotograf stand ungefähr da wo oben die rote Pfeilspitze ist, an der Gabelung der Pestalozzistraße. Rechts noch ein paar Bäume von dem Bürger - Resource - Park, dann die Post und über dem Kopf der Frau die alte Kaisereiche. Der Trampelpfad im Schnee ist in etwa die frühere Pestalozzistraße, unten in der Mitte ist die Fortsetzung von dem Winterbild, alle unteren fünf Bilder aufgenommen im Juli 2004. Linkes Bild unten, etwa bei dem blauen Auto begann früher die Pestalozzistraße. Rechts vor dem Gebäude, der früheren Neufeldschen Blechfabrik,war eine Abzweigung der Pestalozzistraße in Richtung Poststraße / Kaiserin Auguste- Viktoria- Schule.

Das linke Foto wurde vom gleichen Standpunkt aus aufgenommen wie oben das alte Foto mit dem roten Pfeil. Links bei den Bäumen ist heute ein sehr schöner, gut sortierter Markt, der ehemalige Standplatz der Pestalozzischule.

Ein Blick in die Pfefferstr. vor und nach 1945,darüber- oben links heutige Ansicht.

Ein Ausschnitt aus einem alten Stadtplan von 1785, Westen ist in dieser Karte oben. Der rote Pfeil zeigt auf die Hundegasse, rechts neben dem Pfeil ist die Loge.


Der lange rote Strich auf der oberen Karte, links vom Pfeil, zeigt den Verlauf der Hundebeeke zu dieser Zeit. Ursprünglich lief die Hundebeeke in die östliche Bucht vom Drausensee, etwa da wo heute der neue Flughafen liegt, der mitgeführte Schlamm führte zur Versandung dieser Bucht. Am 13. August 1386 erlaubte der Hochmeister den Elbinger Bürgern den Lauf der Hundebeeke in das Stadtzentrum zu verlegen, für die öffentlichen Wasser- Zapfstellen. Später wurde die Hundebeeke erneut umgeleitet und floss durch den Befestigungsgraben direkt hinten am Logengarten vorbei.


Auf dem oberen Kartenausschnitt von dem Elbinger Stadtplan aus dem Jahre 1839 zeigt der Pfeil auf das Krankenhaus „Elbinger Krankenstift“. Darunter ist die Loge und rechts davon der Pavillon, hier steht heute etwa ein alter russischer Panzer als Denkmal, schön farbig bemalt. Im unteren Kartenausschnitt aus der Karte von 1854 zeigt der rote Pfeil auf das „Elbinger Krankenstift“ und daneben die Loge mit dem Pavillon dicht am Stadtgraben. In diesem Plan sind auch die einzelnen Grundstücke eingezeichnet. Die Pension Logenstraße Nr. 11 an der Ecke steht noch nicht aber die 11a über dem „e“. Nach der Zuschüttung des Stadtgrabens wurde die Logenstraße nach einem Knick bis zur Sonnenstraße weitergeführt. Auf diesem Plan ist auch zu erkennen, dass die Logenstraße  nach der Nr. 11 nach links zur Sonnenstraße abzweigte und nach rechts nur eine kleine Sackgasse bis zum Krankenstift, später Pestalozzischule, weiterführte. An den alten Stadtplänen ist erkennbar: diese Karten wurden noch nicht einheitlich nach Norden ausgerichtet. Den Unteren Plan habe ich in den polnischen Stadtplan oben eingezeichnet. Trotz gleichem Maßstab weisen beide Pläne einige Abweichungen auf, verschiedene markante Punkte liegen bei den Karten nicht übereinander, so können meine eingezeichneten Häuser in der Natur vielleicht einige Meter daneben liegen.


Die Häuser und Bürger der Logenstraße


Oben in der Tabelle sind die Familien aufgelistet. Es gab viele Ein- Personen- Haushalte, darunter erstaunlich viele Witwen. Stark schwankende Bewohnerzahlen in den einzelnen Häusern deuten auf Hausumbauten hin.

Pestalozzi Str. 1  war ein Privathaus mit verschiedenen Besitzern

Pestalozzi Str. 2  war ein Privathaus mit verschiedenen Besitzern

Pestalozzi Str. 2a war ein Privathaus mit verschiedenen Besitzern ab etwa1867

Pestalozzi Str. 2b war ein Privathaus mit verschiedenen Besitzern ab etwa1881

Pestalozzi Str. 3 wird zum ersten Mal 1445 genannt.

Der Priester der kleinen Kirche St. Jakob vor dem Schmiedetor erhielt von der Witwe Katharina Molhusen 1445 einhundert Mark, damit er sein Amt noch fleißiger als bisher am Altar der Schützenbrüder ausübe. Ein Jahr später erhielt er eine Bude mit Garten in der Hundegasse 3 durch Stiftung als Wohnung zugewiesen.

1844 errichtete Dr. Samuel Cohn eine Wasserheilanstalt in der Logen Straße 3, zur unentgeltlichen Kur für arme Kranke, besonders solcher, die an hitzigen Fieber litten, wogegen die Wasserkur sich als in wenigen Tagen heilend bewährt hatte.

Dr. Samuel Cohn hatte auch eine solche Wasserheilanstalt in Reimannsfelde.

Zwei Jahre später, 1848 war die Nr.3 schon wieder ein Privat- Wohnhaus der Familien Dorsch und Döring.

Pestalozzi Str. 4  Die Loge.

Seit dem 25.Juli 1790 war die Vereinigung „ Sankt Johannisloge Constantia zur gekrönten Eintracht im Orient zu Elbing“, gestiftet am 28. Oktober 1773 von den Kaufleuten Johann Ross und Jacob Wilhelm Prätorius, in dem Haus des Bruder David Szafranzki tätig. Zu diesem Haus gehörte ein Garten, der einen Morgen groß war, auf diesem Anwesen war zuvor eine Gastwirtschaft. Im Jahre 1804 ging das Grundstück nach Szafranzkis Tod für 5000 Taler in den Besitz der Loge über. Das Haus wurde ausgebaut und mit einem Uhrtürmchen ausgestattet. Das Anwesen war von einer 10 Fuß (ca. 3 Meter) hohen Mauer umgeben und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. 1817 wurde im Garten ein kleiner Pavillon errichtet. 1828 wurde das Haus erneut umgebaut und wurde so zum geräumigsten Lokal der Stadt, in dem Bälle und Konzerte stattfanden. Im 3. Reich wurde die Loge verboten und aufgelöst und die Logen Straße wurde in die Pestalozzistraße umbenannt. Unten die Loge mit Garten und Pavillon.

Pestalozzi Str. 5.

Im Jahr 1810 hatte der Stadtpräsident Bax den Bau eines neuen Krankenhauses in der Logenstraße angeregt. 1812 bis 1813 wurde dieses Gelände als Lazarett genutzt.

 Die Stadt bewilligte für diesen Zweck 6 000 Taler und der Präsident Bax sammelte über 4 000 Taler für dieses Krankenhaus. Obwohl Napoleon die Stadt schon ausgelaugt hatte, er hat zwischen dem 10. April und dem 18. Dezember 1812 mit 8 820 Offizieren, 198 649 Soldaten und 25 731 Pferden  in Elbing Quartier bezogen, fanden sich 138 Spender , die die gesamten Kosten für den „Elbinger Krankenstift“ aufbrachten. Die finanziell schwer belastete Stadt brauchte die zugesagten 6000 Taler nicht zuschießen. Elbing hatte zu dieser Zeit 18 000 Einwohner und musste 900 00 Taler Kriegskosten bezahlen. Am 17. Juli 1818 konnte der Oberpräsident von Schön den Schlussstein zum Kellergewölbe setzen und am 8. August 1819 weihte Superintendent Schreiber den fertigen Bau ein. Die Spender hatten für das Krankenhaus 15 800 Taler aufgebracht (das Gelände hatte 2 100 Taler gekostet) und schenkten der Stadt Elbing das „Elbinger Krankenstift“. Später, um 1908, wurde in diesem Gebäude eine Schule für lernschwache Kinder eingerichtet, zunächst 2 Klassen die bis auf sieben Stufen ausgebaut wurde. Im Reichsherbergsverzeichnis von 1931 ist die Pestalozzischule auch als Jugendherberge mit zwei heizbaren Schlafräumen, 40 Lager, ein heizbarer Tagesraum und Brausebad angegeben. Es gab Kaffee, Suppen und sonstige Verpflegung. Hausmeisterin war Frau Wenski und Heimleiterin Frau Helene Arendt aus der Neue Gut Straße 8a. 1944 wurde in der Pestalozzischule wieder ein Lazarett eingerichtet und 1945 von den Russen abgebrannt.
Einen ausführlichen Bericht um die Kampfhandlungen in Elbing hat der letzte Kommandant von Elbing Oberst a. D. auf Seite 257 bis 286 in dem Buch „Die große Not“, ISBN 3-88378-010-3, im Truso-Verlag Münster beschrieben.


Logenstraße 6 – 10 waren Privathäuser mit wechselnden Bewohnern, diese Häuser wurden um 1900 abgerissen. Auf diesem Gelände wurde die Blechfabrik Neufeld errichtet, ein Teil der Gebäude steht heute noch. Gegenüber auf dem Gelände der Pestalozzischule und der Loge ist heute ein Markt auf dem man alles mögliche kaufen kann, Obst, Gemüse, Backwaren, Fleisch, eine Drogerie und Haushaltswaren sind hier erhältlich. Ilse und ich gehen hier gerne zum einkaufen, die Händler sind sehr freundlich und es findet sich immer jemand, der deutsch spricht. Es ist auch sehr sauber auf diesem Markt. Auf der anderen Ecke hat um 1900 die Frau … eine Pension gebaut, die auch die Hausnummer 11 erhielt, wie das kleine alte Wohnhaus, wahrscheinlich weil es auf demselben Grundstück lag.

Logenstraße 11a war ein neueres Mehrfamilienhaus das um die Jahrhundertwende dem Kaufmann Johann Schulz gehörte.

Logenstraße 12 wurde von wechselnden Familien bewohnt. Um 1934 wohnte hier der Rentner Otto Heister, früher Schriftsetzer bei der Elbinger Zeitung. Sein Sohn Bernhard schrieb ab 1952 in Berlin die „Elbinger Briefe“.

Logenstraße 13das Eckhaus zur Pfefferstraße / Friedrich- Wilhelm-Platz wurde um 1915 abgebrochen für die Erweiterung der „Bürger-Ressource“.