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Im letzten Urlaub in Elbing erwarb ich ein Buch „Jezioro Druzno“, hier werden der Drausensee und seine Umgebung beschrieben. Im Einband ist eine sehr schöne Karte, in der auch die alten Straßen, Kirchen und Friedhöfe der Mennoniten eingezeichnet sind. Diese Karte weckte mein Interesse an den Menschen die diese Gegend einst trockengelegt und urbar gemacht haben. Ich habe eine Fahrt auf den Spuren der Mennoniten durch die Altstadt, Ellerwald und die Niederung unternommen. Der folgende Bericht stammt zum Teil aus dem Mennoniten- Lexikon, Band 1 von A. Friedrich (1913/24).


Durch den polnisch - preußischen Krieg 1519 – 1521 hatte die Stadt einen so großen Bevölkerungsschwund, so dass die Obrigkeit beschloss aus der Fremde tüchtige Kolonisten anzusiedeln. So nahm man auch die ihres Glaubens  wegen aus Holland geflüchteten Taufgesinnten gerne auf und übertrug ihnen die Bewirtschaftung der Ländereien in der Niederung. In der Stadt durften sie anfangs nicht geduldet werden. Im Jahre 1550 kündete der Rat den Täufern einen königlichen Befehl an, demzufolge sie innerhalb 14 Tagen die Stadt verlassen sollten. Diese Anweisung wurde jedoch nicht allzu streng durchgeführt. Auch die 1556 vom polnischen König Sigismund August verordnete Vertreibung der Mennoniten aus der Stadt wurde von dem Rat nicht beachtet. Besonders  scheint man ihre Dienste in Anspruch genommen zu haben, um den Ellerwald, der 1565 den Häusern der Stadt zugeteilt, urbar zu machen. Im Jahre 1571 stellte sich der Prediger an der St. Marienkirche, Sebaldus Neogeorgius, gegen ihre Duldung auf den Stadtgütern und erwirkte einen Ratbeschluss, das die Fremden bis Ostern 1572 das Gebiet der Stadt räumen sollten. Diese Frist wurde bis zum Herbst 1572, „bis die Mennoniten ihr Korn eingefahren hätten“ und danach bis 6. Januar 1573 verlängert. Danach geriet der Befehl gänzlich in Vergessenheit. Die Mennoniten blieben auf den Stadtgütern und sollen sogar lutherische Mitbürger zum Übertritt in ihre Gemeinschaft gewonnen haben. Bald danach siedelten sie sich auch wieder in der Stadt an. Im Jahre 1585 erhielten Jost von Kampen und Hans von Köln das Bürgerrecht und die Erlaubnis einen Seidenhandel zu betreiben, der bisher in Elbing nicht existierte. 1610 wurden abermals mehrere Mennoniten als Bürger aufgenommen, so dass zwei Jahre später bereits 16 Mennonitenfamilien  in der Stadt wohnten. Für die Wehrfreiheit bezahlten sie ein Schutzgeld von einem polnischen Gulden. In Elbing hatte sich eine Mennonitengemeinde gebildet. Das erste Gotteshaus wurde 1590 auf dem Grundstück des Jost von Kampen, Kurze Hinterstraße 8 (Wilhelmstraße) erbaut. Bis 1900 hat es der Gemeinde als Versammlungsort gedient.

Silbermedaille von Menno Simons zum 25 jährigen Bestand der Vereinigung der Mennoniten- Gemeinden 1911. Die erste Kirche in der "Kurzen Hinterstraße 8". Rückseite der 51mm großen und 50 gr. schweren Medaille mit allen Gemeinden.

Dieses Gebäude hat als eines der wenigen in der Altstadt den Krieg überstanden und steht auch noch heute gleich hinter der Post. Um 1900 wurde ein neues größeres kirchliches Gebäude in der Berlinerstraße 20 errichtet, das die Gemeinde Elbing- Ellerwald als Versammlungsort benützt.

 Im Werder waren früher mehrere Kirchen von denen sich nach meiner Erkenntnis nur noch zwei leerstehende Gebäude erhalten haben.

Kirche und Friedhof der Mennoniten in der Nogatniederung

Zwei Häuser aus einer ehemaligen Mennoniten-Siedlung, ein Entwässerrungs- Graben, zwei von den Mennoniten angelegte Straßen und der verwilderte Eingang zu einem Mennoniten- Friedhof bei Streckfuß.

Die dem Verfall preisgegebene Mennoniten- Kirche mit dem dreiseitig umlaufenden, verwilderten Friedhof bei Thiensdorf

Die Kirche und Laubenhäuser von Thiergard im Gebiet der Mennoniten

Auf dem an für sich sehr gepflegtem Friedhof am Ortsrand von Thiergard ist die linke Seite mit den Gräbern der Mennoniten total verwildert.


Im Jahre 1876 verließen fünf mennonitische Familien ihre Elbinger Heimat. Es waren die Familien: Peter Dyck, Jakob W. Regier, Abraham Regier, Bernard Regier und C. R. Regier. Bald nach diesen ersten Einwanderern folgten noch andere Mennoniten namens Janzen, Entz, Epp, Harder Klassen, Thiessen und Wiebe. Sie kamen aus Ellerwald, Lupushorst, Lakendorf, Tiege und einigen anderen Ortschaften. Wie so viele Mennoniten verließen auch sie ihre Heimat aus religiösen Gründen. Ihrem Glaubensbekenntnis folgend, lehnten sie den Militärdienst mit der Waffe ab. Der Preußische Staat wollte seine Verteidigungskraft nicht durch den Übergang zu vieler Grundstücke in mennonitischen Besitz schwächen lassen und beschränkte deshalb die Mennoniten im Grundstückserwerb. Das trieb viele Mennoniten außer Landes.

Die genannten Familien siedelten sich südlich von Peadbody in Kansas an, nicht weit vom jetzigen Elbing. Die dort ansässigen Amerikaner waren bereit ihre Farmen den Neuankömmlingen für verhältnismäßig wenig Geld zu verkaufen. Der Preis je acre (ca. 1,6 Morgen) betrug ca.3 Dollar. Den Einwanderern bereitet der Landkauf keine größeren Schwierigkeiten; denn meistens waren sie wohlhabend und brachten genügend Anfangskapital mit.
Im Jahre 1887 verlängerte die Eisenbahn (Rock- Island- Linie) ihre Strecke ungefähr 8 Meilen (1 Meile = 1,6 km) von Peadbody und richtete dort eine Station ein; das jetzige Elbing. Die Verlegung der Bahnstrecke war für den Transport landwirtschaftlicher Erzeugnisse und den Personenverkehr der Ansiedler in jener Zeit sehr wertvoll. Ein Stationsgebäude wurde errichtet, das noch heute steht, in diesem befindet sich auch die Post. Die Eisenbahn gab den Siedlern das Recht, der Station einen Namen zu geben. Von den vorgeschlagenen deutschen Ortsnamen wählten sie „Elbing“ weil er sie an ihre alte Heimat erinnerte und im englischen leicht auszusprechen war.

Willkommensschild am Ortseingang Der Elbinger Bahnhof in Kansas Die Poststation

Bei der Errichtung ihrer Farmen machten sie sich die Erfahrungen der eingesessenen Nachbarn zugute. Ihrer Arbeitskraft angemessen und auf die Pferde als Zugtiere angewiesen, beschränkten sich die Siedlerfamilien in der Größe der Farmen auf durchschnittlich 130 Morgen. Sie errichteten geräumige Wohnhäuser und gute Viehställe. Zur Kultivierung ihrer Länder kauften sie beste landwirtschaftliche Geräte zu niedrigen Preisen von der Eisenbahn. Sie bauten hauptsächlich roten Winterweizen an, den sie aus der Heimat mitgebracht hatten. Weniger bedeutend war der Anbau von Hafer und Mais. Hafer als Pferdefutter und Mais zur Viehmast brachte ihnen gute Einnahmen, wenn nicht Dürreperioden oder andere Wetterunbilden Viehweiden und Getreide verdarben.
Das Klima machte den Siedlern zunächst schwer zu schaffen. Es war so ganz anders als in der alten Heimat. Ohne vorherige Anzeichen änderte es sich oft und schlug von einem Extrem ins andere um. Im Winter gab es häufig milde Tage mit etwa 15 Grad Wärme, die in kurzer Zeit in 15 – bis 20 Grad Frost mit eisigem Wind umschlugen. Der Sommer brachte etwa 40 Grad Hitze mit heißem Wind, in dem alles vertrocknete, einschließlich die Gesichter der Farmer. Gefürchtet war der Tornado, der große Verwüstungen  anrichtete.
Durch zähen Fleiß und Sparsamkeit kamen die Ansiedler bald zu Wohlstand. Das gesellschaftliche Leben beschränkte sich meistens auf gegenseitigen Besuch an Sonntagnachmittagen oder Abenden, wobei hauptsächlich über wirtschaftliche Dinge gesprochen wurde.  Sie begegneten ihren Nachbarn anderer Nationen nicht mit Misstrauen, aber ihr Verkehr vollzog sich hauptsächlich mit Nachbarn deutscher Zunge. Diese Isolierung hatte viele Verwandtenehen zur Folge.
In dem 1883 zwei Meilen nördlich von Elbing erbauten Gotteshaus findet allsonntäglich Vormittag ein Gottesdienst mit vorhergehender Sonntagschule statt. Der Gottesdienst wird in deutscher, die Sonntagschule aber in deutscher und englischer Sprache abgehalten. Die Gemeinde hat sich der Allgemeinen Konferenz der Mennoniten von Nordamerika und der Kansas- Konferenz angeschlossen und beteiligt sich an allen ihren Amtsbewegungen. Die Gemeinde hat eine Gemeindeordnung angenommen. Ein Kirchenbuch wurde angefertigt, darin ist auch die Chronik der Gemeinde enthalten. Die Gemeinde hat ihren eigenen Gottesacker; die Erstlinge, die 1878 darin beerdigt wurden, sind zwei Brüder die in einem nahen Fluß ertranken. Im Jugendunterricht wird der preußische Katechismus benutzt. Die Gemeinde zählte 1921 33 getaufte Glieder, die Landwirtschaft betreiben.

Jakob W. Regier und seine Frau Agathe geb. Dyck Die Elbinger Mennonitenkirche Der Eingang zum neuen Friedhof

Im Laufe der Jahre etablierten sich in Elbing weitere Geschäfte. Ein zweites Lebensmittelgeschäft wurde eröffnet, eine Autoreparaturwerkstatt, ein Holzgeschäft, die Telefongesellschaft, eine Bank, ein Hotel und ein Getreidesilo. Als dann östlich von Elbing Öl gefunden wurde, wanderten amerikanische Familien zu, die Einwohnerzahl stieg im Jahre1932 auf 230 und Elbing wurde eine Stadt..
Mit den Zuwanderern kamen auch einige unerwünschte Elemente, so dass die Polizeiaufsicht verstärkt werden musste. Als das Interesse am Öl abflaute, ging die Einwohnerzahl zurück. Elbing hat seit 1930 Elektrizität und einige Jahre später auch Gas. Um 1960 legte die Stadt ein Wasserwerk an und baute ein richtiges Wassersystem mit Turm und Feuerhydranten, die Hauptstraße wurde asphaltiert. Elbing hat zwei Kirchen; die Zion- Mennonitenkirche und eine Missionskirche sowie eine Volksschule mit vier Lehrern. Südlich der Stadt befindet sich seit 1944 eine christliche Oberschule mit über 100 Schülern, die hauptsächlich aus dem größeren Ort Barea kommen. Elbing zählt heute nur 88 Einwohner. Es ist beachtenswert, was die wenigen Einwohner von Elbing in Kansas, deren Zahl kaum dörflichen Verhältnissen entspricht, durch zähen Fleiß und Aufbauwillen an wirtschaftlichen und kulturellen Einrichtungen geschaffen hat. Die Mennoniten besitzen heute 95 % des umliegenden Farmlandes. Nachkommen der ersten eingewanderten Familien sitzen zum Teil noch heute auf den ursprünglichen Besitzungen.