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Bevor die Pangritz-Colonie im Jahre 1913 zur Stadt Elbing kam, also eingemeindet wurde, war es weder eine eigene Landgemeinde noch ein Gutsbezirk. Die Kolonie grenzte im Süden, etwa an der Mattendorfstraße an die Stadt, im Norden an die Gemeinde Lärchwalde, im Westen an die Brauerei Englisch Brunnen an der Ziese Str. der früheren Kastanien-Allee bezw. davor Lange Niederstraße und im Osten grenzte es mit der Angerstraße, der späteren Hochstraße an die Gemarkung Klein Röbern. 1930 wurden auch einige Straßen umbenannt, aus der Lindenstraße wurde die Paulikirch Straße, aus der Schulstraße die Pangritz Straße, aus Kirschners Reihe wurde der Rodelands Weg und aus der Hauptstraße (die damalige Verlängerung der Heilig-Leichnam Straße) dann nach 1933 die Horst-Wessel Straße. Der Ziese-Park gehörte nicht zur Kolonie, er war eine Enklave und gehörte zur Gemarkung Schesmershof und somit zu Lärchwalde.

Die Gesamtfläche betrug vor der Eingemeindung 87,3134 ha. Die Bevölkerung zählte (1910) 4012 Einwohner, von denen 2577 evangelisch und 1415 katholisch waren, so wie 7 sonstige Christen, 7 Juden. 2 Einwohner waren Polen und 4 nannten außer deutsch noch polnisch als ihre Muttersprache.

Wie kam die Kolonie zu ihrem Namen?

Im Jahre 1801 kaufte der Kaufmann Karl Pangritz von der Elbinger Kämmereiverwaltung 1,5 kulmische Hufen Land und einen Teil des Ellernbruches. Weiteres Land konnte er pachten und später erwerben, so dass er dann 264 Morgen = 66 ha Land besaß. Herr Pangritz merkte dann aber, dass auf dieser „Streusanddose“ kaum Landwirtschaft zu betreiben war. Für billiges Geld verpachtete er an ärmere Mitmenschen Land, damit sie sich dort ansiedeln konnten. Es waren meist Besenbinder, Kranzflechter, Bauhandwerker und Tagelöhner, die dadurch in Stadtnähe eine billige Bleibe fanden. Später kamen noch die Industriearbeiter hinzu, so dass im Jahre 1835, als Herr Pangritz starb, bereits in 132 Wohnhäuser 225 Familien in dieser Sandwüste wohnten.

Der Gutshof Pangritz, auf einer Anhöhe gelegen, wurde später das Gasthaus „Alte Welt“ und ein Teil dieser Anhöhe, direkt hinter dem Gutshof, erwarb die evangelische Heilige Leichnam Kirchengemeinde im Jahre 1898. Auf diesem Grundstück wurde dann die Pauluskirche gebaut und ein Friedhof eingerichtet. Nach 1913 wuchs die Kolonie zusehends, neue Schulen mussten gebaut werden.

Die "Alte Welt" vor 1900

Die Adalbertkirche (kath.) und die Paulus Kirche (evang.) waren bereits um die Jahrhundertwende (1900) erbaut. 1926/27 wurde die Linie 2 der Elbinger Straßenbahn bis zur „Alten Welt“ verlängert. Somit wurde die Kolonie immer mehr an die Stadt angebunden. Aber auch die Elbinger schätzten dieses Lokal mit seinem Saal und parkähnlichem Garten sehr. Viele Ausflügler besuchten Elbing III besonders während der Baumblüte, denn die Siedler hatten aus dieser Sandwüste mit viel Fleiß eine blühende Landschaft geschaffen.

Der Zeppelin über der Pangritz-Kolonie fotografiert von meinem Vater Karl Pfau

Blick vom Turm der Pauluskirche 1942 über die Kolonie in Richtung Ziese Villa.

Eine eigene Poststation, Bücherei, ein Arzt, eine Apotheke, Geschäfte, Bäckereien und Fleischer ersparten den Bewohnern den weiten Weg zur Altstadt. Sogar eine kleine Zigarettenfabrik gab es an der Hauptstr. 1945 blieb die Kolonie bis auf kleinere Schäden verschont, in der Querstr. z.B. wurde nur ein Haus zerstört.

Doch als die Polen anfingen aus der ehemaligen Kolonie ein Wohnviertel mit riesigen Mietskasernen zu errichten, fiel leider viel der alten Bausubstanz der Spitzhacke zum Opfer. Der Volksmund nennt heute dieses Gebiet, das kurz vor 1945 nur 10 000 Einwohner hatte, heute sind es 40 000, scherzhafterweise „Klein Manhattan“. Die Straßenbahn wurde verlängert und fährt bis kurz vor den Abhang der Hoppebeeg (etwa Benkensteinerstr.). Auf dem Gelände der ehemaligen Schichauischen Kleingartensiedlung entstand in den letzten Jahren ein überdimensionales Einkaufszentrum. Die östlich der Hochstr. gelegene und nach 1930 gebaute Siedlung ist ebenfalls fast ganz erhalten geblieben. Einige Häuser wurden lediglich für neue Straßen und die Straßenbahn abgerissen. Viele kleine alte Siedlungshäuschen wurden nach der sozialistischen Wende zu wahren Schmuckkästchen restauriert und sind der ganze Stolz der heutigen Besitzer.


Luftaufnahme von Karl Richter 1999, in der mitte die Adalbertkirche, rechts daneben am Rand das evangelische Gemeindehaus in der Adalbertkirchstr.1

Die Kolonie im Winter 1996



Hans Pfau mit einem Kringel Fleischwurst in den Anlagen am Katzenteich.


Am Ende der ehemaligen Horst-Wessel-Straße (davor: Hauptstraße) waren die alten St-Paulus und St.-Adalbertfriedhöfe. Hier mußte mein Opa Herrendorf manchmal nach dem rechten sehen. Auf dem Rückweg in Richtung Stadt lag rechts kurz vor der Adalbertkirch-Str. das Lokal "Deutsche Eiche". Hier trank mein Opa schnell einen "Kleinen " gegen das "Austrocknen", wie er immer behauptete. Damit ich zu Hause nichts erzähle, bekam ich ein Glas Faßbrause. Vor 1938 hieß dieses Lokal "Concordia" in der Hauptstr. Nr. 40.

Diese alte und wohl einzige Ansichtskarte von der Concordia konnte ich ersteigern. Der linke, niedrigere Anbau existierte zu meiner Zeit nicht mehr. Heute steht das Haus noch mit einem  Eternitdach, der Saalanbau ist aber etwas niedriger. 1944 waren in dem Saalanbau Lebensmittel gespeichert. Kurz vor dem Einmarsch der Russen ließ Lehrer Lenski dieses Lager öffnen und verteilte diese Lebensmittel an die Bewohner der Kolonie. Er bekam Schwierigkeiten mit der Behörde und der Wehrmacht, darauf stand die Todesstrafe. Der schnelle Einmarsch der Russen bewahrte ihm vor dem schlimmsten.

1993 gezeichnet und handkoloriert von Hans-Joachim Pfau